Einmal im Jahr, in unseren Breitengraden jeweils zwischen dem 22. und 23. September sind Tag und Nacht sind gleich lang. Dieser Tag trägt viele Namen. Einer davon ist Mabon, nach einer Figur aus der walisischen Mythologie, deren Name „der große Sohn“ bedeutet. Es ist eines der 8 Jahreskreisfeste.
Der Wechsel der Jahreszeiten
Zur Herbst-Tagundnachtgleiche zeigt sich uns der Spätsommer noch einmal in seiner ganzen Fülle und gleichzeitig kündigt sich bereits an, was kommt: Ab jetzt werden die Nächte länger, die Dunkelheit des Herbstes holt uns langsam ein.
Bevor wir die kalte Jahreszeit begrüßen, dürfen wir zu Mabon noch einmal innehalten und Dankbarkeit zeigen. Dankbar sein für das, was gewachsen und gereift ist. Kein Zufall, dass in diese Zeit auch viele Erntedankfeste rund um die Welt fallen: das chinesische Mondfest, das jüdische Sukkot und hierzulande auch das christliche Erntedankfest Anfang Oktober, um nur einige zu nennen. So unterschiedlich die Kulturen, so ähnlich ist der Impuls: innehalten und danken, bevor die dunkle Jahreszeit beginnt.
Was sich bereits zur Sommersonnenwende im Juni angekündigt hat und wir über den Sommer hinweg gerne verdrängt haben, wird jetzt spürbar: Die helle Zeit neigt sich dem Ende zu. Doch bevor sie das tut, schöpft die Natur noch einmal aus dem Vollen und beschenkt uns mit all ihren Gaben.
Rituale zur Herbst-Tagundnachtgleiche
Es bietet sich an, jetzt bewusst in die Natur hinauszugehen. Sich nochmal mit dem Licht der Sonne zu verbinden und Körper, Geist und Seele auf die dunkle Jahreszeit vorzubereiten.



Ein Dankbarkeits-Mandala aus Naturgaben
Wer Rituale mag, kann mit gesammelten Naturschätzen ein kleines Mandala legen: Blätter, Blüten, Gräser, Nüsse, Früchte, Zweige, Zapfen, Moos. Einfach das, was der Boden gerade hergibt. Während man sammelt und legt, spricht man darüber, wofür man in diesem Jahr dankbar ist. Am Ende liegt ein kreisrundes Mandala aus den gesammelten Schätzen vor einem. Das geht auch wunderbar mit Kindern.
Es geht dabei nicht um Perfektion, sondern darum, Dankbarkeit bewusst zu fühlen und das, wenn möglich, gemeinsam zu tun. Denn früher war ein Jahreskreisfest nie eine Sache für sich allein: Es wurde in der Familie gefeiert, im Kreis von Menschen. Auch heute laden die Feste genau dazu ein.

Ein Feuer im Freundeskreis
Jetzt ist auch noch einmal eine schöne Zeit für ein Lagerfeuer. Ein paar Kartoffeln in Alufolie ins Feuer legen, gar werden lassen, gemeinsam essen. Einfach die Früchte der Erde im Feuer gar werden zu lassen und dafür zu danken, ist ein einfaches, aber sehr sinnliches Ritual.
Weitere Aktivitäten mit Kindern
Diese Zeit eignet sich besonders gut für gemeinsame Aktivitäten mit Kindern:
- Kastanien sammeln, die man sogar an Jägern zum Füttern der Rehe im Winter weitergeben kann, oder später etwas daraus basteln kann.
- Einen Spaziergang durch raschelnde Blätter unter Allebäumen machen
- Laubhaufen im Garten machen und sich darunter verstecken
- Ein Igelhaus zusammen bauen und unterm Laub verstecken
- Gemeinsam einen Bratapfel zubereiten und ins Rohr schieben und lauwarm genießen
- Kleine, bewusste Momente der Dankbarkeit für den Reichtum der Natur
- Apfelmuss selber einkochen
- oder einen Apfel- oder Zwetschgenkuchen zusammen backen. Eben die klassischen Herbstgerichte auch von Hand herstellen, die genau in diese Zeit gehören.
Einfaches Ritual der inneren Waage
Zu Mabon halten sich Licht und Dunkel für einen Moment die Waage. Auch die Energie des Sommers, die oft so viel will – wachsen, schaffen, erleben –, darf jetzt wieder ins Gleichgewicht kommen. Ein kleines Ritual, das genau daran erinnert:
Nimm zwei Äpfel, einen in jede Hand, und spüre kurz ihr Gewicht. Frag dich, was du gerade zu viel mit dir trägst? Vielleicht Termine, Erwartungen, Aufgaben, die nicht mehr zu dir passen. Und dann frage dich, was du zu wenig hast: Ruhe, Selbstfürsorge, Freude. Leg dann einen der beiden Äpfel bewusst weg, als kleines Zeichen dafür, dass etwas von diesem „Zuviel“ heute schon losgelassen werden darf. Den anderen kannst du anschließend zu Mus oder Kuchen verarbeiten und bewusst genießen, als kleine Anerkennung für das, was du dieses Jahr schon geschafft hast.
Licht und Dunkel
Auch an anderer Stelle halten sich zu Mabon zwei Kräfte die Waage: Licht und Dunkel selbst. Viele von uns tragen eine leise Angst vor der Dunkelheit in sich und verknüpfen sie fast automatisch mit etwas Negativem. Dabei kann uns gerade die Wiederverbindung mit der Natur, mit ihren natürlichen Rhythmen, wieder Ausrichtung und Halt geben.
Was uns die Dunkelheit nämlich auch schenkt: Geborgenheit. Stille. Die Möglichkeit zu Transformation und Klarheit. Ein Fokuswechsel deutet sich an, von der äußeren Welt hin zu unserer inneren. Und nicht zuletzt eine Zeit der Regeneration, die wir in unserem heutigen Alltag viel zu oft einfach übergehen, weil es immer weitergeht.
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